Thema 2 Karma und Reinkarnation

 

Lucas Cranach, aus den Tryptichon vom Isenheimer Altar

Karma ist bekannt als unerbittliches und ohne Ausnahme wirksames Gesetz, darin gleich einem Naturgesetz, Beispielsweise das Gesetz der Schwerkraft. Dieses Schicksal regulierende Gesetz hat im Auftrag des Göttlichen lediglich die Freiheit, in besonderer erzieherischer Absicht zu entscheiden, welche unserer Handlungen wann auf uns zurückkehren sollen. D.h., Taten können nach ein, drei oder - in der Regel - nach spätestens 10 Leben auf uns zurück kommen. Dieses Gesetz der Programmierung von Ereignissen ist gerecht, d.h., es soll Umstände schaffen, bzw. einplanen und berücksichtigen, die dem als Umkehrung entsprechen, bzw. ähneln, was vom Täter ausgegangen ist.

Dass es ein solches Gesetz gibt, zum "Organisieren" der Rückkehr unserer Taten auf uns zurück, liegt darin begründet, dass der Mensch durch den Schöpfer einen freien Willen erhalten hat. Man könnte sagen, Begleitend zu dem "Geschenk" des freien Willens wurde ein Schicksalsgesetz eingerichtet, dass über die kausalen Strukturen und Ebenen des Lebens herrscht. Es soll die Umtriebigkeit und die Folgen dieses geschenkten freien Willens im menschlichen  Handeln verwalten. Das Ergebnis sprengt also den Rahmen diese verliehenen freien Willens nicht, sondern betont ihn sogar, im Sinne einer Selbsterziehung des Handelnden. Durch die ordnende udn spiegelnde Vermittlung des Gesetz des Karmas wirkt sich "lediglich" unser  freie Wille aus der Vergangenheit früherer Leben, im gegenwärtigen Leben auf uns aus. Dadurch kann der freie Wille in der Gegenwart des Jetzt durchaus eingeschränkt werden (Tod, Krankheit, etc).  

Da tatsächlich alle Taten, die guten wie die schlechten (gemeint sind tatsächlich alle Formen von Äusserungen: Wille, Gedanken, Gefühle bis hin zu konkreten Taten), auf den Handelnden zurückkehren, besteht die einzige Möglichkeit, aus dem Gesetz des Karmas zu entrinnen, darin, kein negatives Karma-„Konto“ mehr zu besitzen. Nur dadurch wird es dem Individuum möglich, wie insbesondere Buddhismus und Hinduismus betonen, aus dem Kreislauf der Wiedergeburt innerhalb der physischen Form zu entweichen. 

Alle Menschen, die über die Existenz des gestrengen Gesetzes aufgeklärt sind, haben sich, spätestens als sie eigenes Leid durchleben mussten, diese Grenzfrage zum Thema Schicksal schon mal gestellt: gibt es Befreiung von karmischen Rückwirkungen eigener früherer negativer Taten erfahren werden, durch ein erlösendes - und damit von Schuld befreiende - Phänomen der Gnade, wie manche Religionen, z.B. das Christentum es kennen?

 

Da es nun mal das gestrenge Gesetz des Karmas gibt ("Du ernstest was du sähest", "Wer durch das Schwert richtet, wird durch das Schwert gerichtet") müsste präzisierend sagen: Gnade setzt überwiegend (und spätestens) an der Stelle an, an der sie verstanden werden kann als einladende, ausgestreckte Hand Gottes. Damit ist gemeint, das Göttliche wirkt durch Botschaften (Religionen) und Boten (Religionsgründer, Propheten, sowie spirituelle MeisterInnen und Heilige), um die Menschen an sich heran zu ziehen, um ihn wieder „heimzuholen“, um ihn zu rufen, indem es ihm den Weg zeigt, und vorzulebt (z.b.: Jesus), wie er aus dem Kreislauf von Reinkarnation und Karma entrinnen kann. Insofern sind die Weltreligionen untereinander nicht so unähnlich wie sie erscheinen, aich wen sie deutlich andere  Schwerpunkten betonen.

Die Liebe Gottes ist, wenn der Menschen sie wahrzunehmen vermag, an und für sich gleichsam schon Gnade. Denn sie läutert den Menschen, befreit ihn innerlich von Last, erzieht ihn zum Guten, verwandelt, transformiert und transfiguriert ihn, im Sinne einer Vergeistigung. Sie bedeutet das Heil udn das Heilwerden des Menschen.

An dieser Stelle ist es berechtigt zu sagen, dass die Offenbarungen der Religion der Weg der Offenbarung göttlichen Gnade verkörpern. Dadurch, dass das Göttliche den Menschen durch gnadenreiche Güte und Liebe erzieht, vermag Es den Mensch soweit zu prägen, an das Wahr und Gute zu erinnern, und an sich heranzuziehen, das der Mensch kein neues - schlechtes - Karma schafft. Dank der Veränderung durch spirituelles Streben schafft der Mensch Taten neuer Qualität deren Rückkehr ihn nicht an neuen Inkarnationen binde. Er wird erlöst durch seine eigene erworbene Rechtschaffenheit, daie darin besteht nur Gutes zu tun. Dies schlagen die Weltreligionen vor (Christentum, Islam, Judentum, Buddhismus, Hinduismus, Taoismus, Schintoismus, Zendavesta, etc.).

Im Einzelfall ist, dieser Sicht entsprechend, eine durch Gnade konkret gerettete oder geheilte Person, jemand der durch eine Mischung aus:

- zurückkehrendem gutem Karma,

- Reife der betreffenden Seele

- der Tatsache, dass sie sich bereits früher einmal Gott genähert hat, und daran erninnert werden soll

- der Wunsch Gottes, dieser Seele Bestätigung zu schenken auf ihrem bereits gewähltem Weg.

Dabei ist das „gute“ Karma des Menschen allerdings nur eine Rahmenbedingung, während der ausdrückliche Wille Gottes hinzukommt, ein Zeichen zu setzen (z.B.: Wunderheilungen).

Im übergeordneten Sinne jedoch ist das Phänomen der Gnade ein ganzheitlicher Vorgang der Erlösung der Menschheit durch den göttlichen Willen, wobei der menschliche freie Wille nicht eingeschränkt wird:

- Auf der einen seite muss der einzelne Mensch sich frei entscheiden, bewusst auf das Göttliche zuzugehen. Dies hat "Initiations"-Charakter, denn solche Entscheidungen müssen im Laufe der geistigen Entwicklung auf verschiedenen Ebenen und Stufen erfolgen (Ethik im Handeln, Fühlen, Denken, Pflege von Idealen, religiöse Bestrebungen, Selbst-Erkenntnis, Annahme des Willen Gottes, etc.).

- Auf der anderen Seite gibt es den ausdrücklichen Willen und die Pläne des Göttlichen (die „Herabkunft“ des kosmischen Christusgeistes), den Menschen in seinem Erlösungsplan einzubeziehen.

Beides trifft sich in der Mitte; so wird der freie Wille gewahrt, was das Mysterium des individuellen menschlichen Lebens ausmacht.

N.B.: Der Autor hat die Ideen für diesen Aufsatz anhand jahrzehntelanger Beobachtung menschlicher Schicksale mit dem Hintergrund der Reinkarnationserforschung entwickelt.

 

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